Stadtimpressionen

Juni 9, 2010

Man fühlt sich, wie als wäre man in ein Bilderbuch gefallen.

Daheim: Regen und 15°c. In Rom: 30°C, strahlender Sonnenschein. An lauen Sommerabenden flaniert man durch enge Gassen, der Putz bröckelt von den Häuserfassaden ab, die buntgestrichenen Fensterläden hängen träge in der Luft, über den Köpfen der wenigen Passanten sind Wäscheleinen gespannt an denen Unterhemden trocknen.

Am Tag muss jeder Fußgänger über die Straßen traben. Der Straßenverkehr nähert sich mit ungefähr 80 km/h und hupt lieber statt zu bremsen. Überhaupt, Hupkonzert an jeder Ecke. Im Bus – dem Fortbewegungsmittel Nummer eins – sitzt mir ein ca. 60-jähriger Italiener gegenüber. Kettenraucher, tief grollender Raucherhusten, die nächste Packung italienische Rothändel hält er schon in den Händen. Sein Bierbauch wird von einem weißen Feinripp Unterhemd verhüllt, er wirft jedem im Bus giftige Blicke zu.

Die Kunst in Rom wirkt irgendwie inflationär. Überall stehen berühmte alte Steine herum, eine Ruine reiht sich an die nächste und fügt sich brav ins Straßenbild. In den Museen wird man mit den Namen großer Maler beworfen wie als gäbe es sie im Ausverkauf und alle paar Meter steht eine historische Kirche.

Eine wahnsinnig romantische Stadt. Diese ganzen beleuchteten Brunnen und unglaublich pittoresken Plätze lassen das Herz weich werden. Am liebsten möchte man sich zurücklehnen und an einen wichtigen Menschen ankuscheln. Genießen, die Romantik wirken lassen. Das einzige, was das recht effektiv verhindert sind die ungefähr 500 anderen Touristen die ebenfalls diesen Brunnen anschmachten. Man kann keine 2m gehen, ohne sich unter einem Foto hinwegducken zu müssen, oder man muss anhalten, um nicht in ein Gemeinschaftsfoto hineinzulaufen. Selten habe ich so eine überlaufene und touristische Stadt gesehen wie Rom. Überall Straßenhändler und Rosenverkäufer.

Die größte Enttäuschung? Der Vatikan. Wer hätte geahnt, dass das geistliche Zentrum der Katholiken auch ein Zentrum des puren Kapitalismus ist. Die Eintrittspreise lässt man sich angesichts hoher Personalzahlen und Restaurationskosten noch eingehen. Aber die Spitze ist die Sixtinische Kapelle, seines Zeichens Privatkapelle des Papstes. Keine Bänke sind in dem Raum, nur damit 500 Leute hineinpassen. Schilder verkünden die Stille, aber die Leute plappern in Zimmerlautstärke. Im Minutentakt brüllen die Wachen “Silenz pleez” und “No photo pleez”. Die Reiseleiter erzählen unbedeeindruckt weiter und der Rest der Menschen hält sich einen Audioguide ans Ohr. Von Andacht keine Spur. Pure Reduktion auf das, was sich verkaufen lässt. Und hat man sich dann nach 5 Stunden nach dem Ikeaprinzip (betritt man einmal den Rundgang muss man ihn auch bis zum Ende laufen, Abkürzungen gibt es nicht) durch den Vatikan und die 10 Giftshops durchgeschoben, ist man froh, bald kein Tourist mehr zu sein…

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